Innenarchitektur, Innenarchitektur

Fotogramme

Studienarbeit im Diplomstudiengang

Kameralose Fotografie – das Fotogramm.

In den Kursen des experimentellen künstlerischen Arbeitens, ermögliche ich den Studenten einen unvoreingenommen Blick auf alle Fragen des Gestaltens, einen Raum des Ausprobierens, Ausschweifens und Erfindens. Im Winter- und Sommersemester 2006/07 experimentierten Studenten des Studiengangs Innenarchitektur und Schmuckdesign mit der kameralosen Fotografie – dem Fotogramm.


Fotogramme wurden schon in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts als künstlerisches Verfahren entdeckt. Die Technik wurde aber durch die Faszination an der Fotografie vergessen, erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entdecken Künstler wie Man Ray, Laszlo Mohly-Nagy und Christian Schad das künstlerische Verfahren erneut.


Was ist nun ein Fotogramm? Im ersten Moment erscheint es, entsteht das Fotogramm auf unvermutete Weise einfach. Man begibt sich in einen dunklen Raum, nimmt lichtempfindliches Papier, geeignete Gegenstände, einfache Materialien und steuerbares Licht. Die Gegenstände, Stoffe, Objekte finden auf der Papierfläche eine Anordnung. Sie überlagern sich, werden hin und her bewegt, hinzugefügt oder weggenommen und mit dem gerichteten Licht eines Vergrößerers, mit Taschenlampen- oder Handydisplaylicht kürzer oder länger belichtet. Die Gegenstände hinterlassen ihre Schatten als Kontur, ein Lichtbild entsteht. Im Fotolabor werden die Bilder entwickelt und fixiert. Farbfotogramme stellen höhere Ansprüche an den Erfinder. Tageslicht besteht aus den sechs Spektralfarben, ihre Mischung ergibt das reine farblose Licht des Tages. Im Farblabor verhindern wir, dass bestimmte Farben des Farblichtspektrums mit unserem Fotopapier in Berührung kommen. Wir unterdrücken mit Hilfe von transparenten Farbfiltern oder anderen Hilfsmitteln einen Teil des Lichtspektrums und erzeugen so blaues, rotes, gelbes, also farbiges Licht.


In unseren Fotogrammen entdecken wir Licht in unterschiedlichen Qualitäten, langsam hinein sinkendes Licht, scherenschnittartig, überflutend, abrupt erlöschend. Dann folgt die Wahrnehmung von Dunkelheit, sie deaktiviert den Sehsinn, nur mit dem Gehör und dem Tastsinn ermitteln wir das dunkle Unbekannte und irgendwie Schwerelose, den scheinbar unendlichen Raum.


Ein Foto zeigt alles klar präzise und möglicherweise scharf, selbst Schwarzweißfotografien vermitteln uns den Gehalt von Wahrheit und das Gefühl von Wirklichkeit. Das Fotogramm gibt uns nur wenige reduzierte Zeichen zur Entschlüsselung des geheimnisvollen Inhalts. Die Dinge sind uns eigentlich selbstverständlich, nur scheinen sie hier einer parallel existierenden Welt zu entspringen. (al)