Schmuckdesign

Ein Leben - eine Linie

Das vor uns liegende Diplom „Ein Leben – eine Linie“ ist eine für den Schmuckbereich sehr ungewöhnliche Arbeit. Nicht der Schmuck selbst steht im Mittelpunkt, sondern die Verbindung von Tätowierkunst und Schmuck zu Körperschmuck.

Längst sind Tattoo und Piercing im Mainstream angekommen – vom Nischendasein einer Subkultur sind sie zum modischen, gesellschaftsfähigen Accessoire geworden.

Linda Siebke macht aus ihrer Passion ein Diplomthema, das die Grenzen der Schmuckkunst auslotet und erweitert.

Auf Seite 13 ihrer schriftlichen Arbeit erläutert sie ihre Motivation: “ Der Träger von dauerhaftem Körperschmuck soll sich seinem Motiv wieder ganz bewusst werden...Jeder Strich, jede Anordnung, Reihung...etc. soll durchdacht sein und seine Bedeutung erhalten. Erst wenn der Träger einer solchen Modifikation sich mit jedem Strich identifizieren kann, ist es sein ganz persönlicher Schmuck, der nur zu ihm gehört.“

Linda Siebke beschreibt hier das Ideal. Wie kann sie es in die Wirklichkeit umsetzen?

Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Konzeption, ist die Entscheidung, keine fiktiven Persönlichkeiten zu nehmen sondern vier reelle.

Eine intensive Auseinandersetzung mit den Personen beginnt. Was verbindet, was unterscheidet sie? Linda Siebke trifft eine Grund legende Entscheidung:

Zitat S. 34: „Ich verbinde und unterscheide sie.“ und findet damit ihre künstlerische Position. Sie ist nicht die Dienstleisterin, die Wünsche und Motive der Personen zusammenfügt.

Sie ist die Künstlerin, die durch genaue Beobachtung und Analyse die augenfälligsten Charakterzüge herausstellt. Sie erfindet charakterisierende Namen, die es ihr ermöglichen, ungewöhnliche Portraits zu entwickeln - abstrakte Portraits mit den Mitteln Linie – Flächen – Schrift und Schmuck. Diese sind nur für die jeweilige Person entwickelt und nur sie erkennt sich darin wieder.

Diese Form des abstrakten Portraits mittels der Verbindung von Schrift, Grafik und Schmuck ist die außergewöhnliche Leistung dieser Arbeit und in diesem Kontext wirklich neu.

Dabei verlässt sie sich nicht auf ihre Intuition. Aus der gründlichen  Analyse der Charakteren, der Linien bzw. Schrift und ihrer Aussagekraft leitet Linda Siebke das Konzept für die grafischen Motive und den Schmuck ab.

Bewusst konzentriert sie sich auf wenige Stilmittel. Damit gelingt die Symbiose der so verschiedenen Schmuckformen. Zentrales Gestaltungsmittel ist die Linie. Der Verlauf der Hauptlinie legt den wesentlichen Charakterzug fest. Schrift, Schmuck und ausbrechende oder umtänzelnde Linien verfeinern und konkretisieren den Entwurf. Jedes Portrait ist individuell ausformuliert.

Dieses Gestaltungsprinzip trägt unverkennbar die persönliche Handschrift von Linda Siebke, setzt sich aber nicht über die individuellen Charaktereigenschaften der Personen hinweg.

Den teilweise überbordenden grafischen Elementen stehen reduzierte, akkurat gebaute Schmuckstücke gegenüber. Sie geben der Gestaltung den besonderen Kick.