Kommunikationsdesign & Medien

Diplomarbeit »WYSPA«

Judith Köhler, Studiengang Kommunikationsdesign und Medien, legt im Sommersemester 2016 eine überzeugende, sprachlich ausgewogene und bildnerisch auf einem hohen Niveau agierende zweiteilige Diplomarbeit vor.

Im theoretischen Teil gibt sie uns einen sehr stringenten Überblick über die Definition, die Entstehung und die Charakteristik des »Silent Comic« sowie seine Bezüge zu anderen bildkünstlerischen Mitteln und Formen.

Im praktischen Teil Ihrer Diplomarbeit entwickelt Judith Köhler, beeinflusst vom aktuellen Weltgeschehen und der intensiven Beschäftigung mit der »Flüchtlingskrise«, die Geschichte über einen unfreiwilligen Aufbruch. Im Buch »WYSPA« (polnisch: Eiland) bedient sie sich für die Umsetzung dieses durchaus schwergewichtigen Themas adäquater bildnerischer Mittel: Sie nutzt die Technik der Collage um auf spielerische und ästhetisch hochwertige Art und Weise das Thema umzusetzen und ihm so, neben der hohen künstlerischen Qualität der Abbildungen, auch eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen.

Judith Köhler findet für die Bilder in ihrer Geschichte eine ästhetisch sehr ansprechende Umsetzung: Grundsätzlich erscheinen die Bilder farblich eher zurückhaltend. Die Farbpalette beschränkt Judith Köhler meist auf Blau- und Brauntöne und findet aber dennoch – oder gerade deshalb – zu einer malerisch sehr ansprechenden Umsetzung des Sujets. Bei der Betrachtung des in vielen Blau- und Grüntönen schimmernden Wassers meint man schier den Wellengang zu spüren und kann den Blick über die mannigfaltigen Farbtöne schweifen lassen.

Auch das von ihr genutzte Formenvokabular ist sehr fokussiert: Einfache geometrische Grundformen wie Dreieck, Kreis, Oval beherrschen die Szenerie und lassen die sensiblen Farbnuancen wirken.

Die einzelnen Bilder und Situationen folgen einer logisch geplanten Aneinanderreihung,  was aufgrund der Abwesenheit erklärender Worte, die das Medium »Bildgeschichte« charakterisiert auch dringend geboten ist. Judith Köhler meistert diese Herausforderung.

Den Screen, um eine filmische Vokabel zu bemühen, die Seiten bespielt sie auf sehr abwechslungsreiche Weise (Man spricht hier auch vom Panel-Grid.): Mal – wenn es inhaltlich um die Darstellung von Weite, von Meer, von einer zeitlichen Abfolge unter Zuhilfenahme der Mondphasen geht –  erstreckt sich das Bild, wie beim filmischen Breitwandformat, über die gesamte Doppelseite. Mal teilt sie die Seite in mehrere Sequenzen und stellt hier, aufgrund des kleinen Bildformats, wieder stärker den Bezug zum uns allen bekannten und oft als Trivialliteratur eingeordneten Comic-Heft her. So ergibt sich auch formal, was die Aufteilung der Seiten angeht, ein abwechslungsreicher Turnus.

Auch die vom Film her bekannten unterschiedlichen Einstellungsgrößen wie Großaufnahme (close-up) oder Totale (long shot), um nur zwei zu nennen, finden im Buch Beachtung und werden auch in der theoretischen Arbeit detailliert dargestellt.

Judith Köhler legt hier eine interessante, visuell sehr ansprechende Auseinandersetzung mit dem Thema des »Silent Comic« vor: eine kluge und sehr sehenswerte Komposition illustrativ-ästhetischer Stilmittel. Die Mittel sind präzise gewählt und eingesetzt, die Bilder bilden eine ästhetische und gestalterisch sinnvolle Einheit. Diese Stringenz ist bis in kleine Details durchgehalten und ist unter anderem auch an der formalen Erscheinungsweise ihrer theoretischen Arbeit ablesbar: Der blaue Leineneinband nimmt die Farbe der »WYSPA«-Wellen wieder auf. Alles in allem ist die Arbeit von Judith Köhler also eine runde Sache. 

Die Diplomarbeit »WYSPA« von Judith Köhler wurde für den DIA-Preis Kommunikationsdesign und Medien 2016 nominiert. (gf)